Leistungen

Fledermauserfassung

Alle heimischen Fledermausarten sind nach Anhang IV der FFH-Richtlinie streng geschützt, einige zusätzlich nach Anhang II. Das macht sie zu einer methodisch anspruchsvollen Artengruppe im Planungsverfahren.

Baumkronen in der Abenddämmerung, Jagdhabitat von Fledermäusen

Artenspektrum in Norddeutschland

In Deutschland sind 25 Fledermausarten heimisch. In Niedersachsen sind davon 19 Arten nachgewiesen, in Schleswig-Holstein 15 und in Hamburg 14. Sie unterscheiden sich in Quartierwahl, Jagdverhalten, Wanderverhalten und Rufeigenschaften erheblich, und diese Unterschiede entscheiden darüber, mit welcher Methode eine Art überhaupt nachweisbar ist. Der Große Abendsegler jagt im freien Luftraum und ist akustisch noch auf 90 bis 120 Meter zu erfassen, das Braune Langohr ruft so leise, dass die Reichweite bei wenigen Metern liegt.

Entscheidend ist dabei, Artangaben aus der Literatur nicht zu eng auszulegen. Was zu Quartierwahl, Jagdverhalten und Phänologie beschrieben ist, bildet den Regelfall ab. In der Praxis weichen Fledermäuse davon regelmäßig ab, etwa mit Quartieren an untypischen Strukturen oder mit Aktivität außerhalb der erwarteten Zeitfenster. Wer die Untersuchung allein auf das Erwartbare ausrichtet, findet auch nur das Erwartbare. Das zu erwartende Artenspektrum ist deshalb der Ausgangspunkt einer Untersuchung, nicht ihr Ergebnis.

Die Methodenwahl richtet sich nach dem zu erwartenden Artenspektrum, dem Quartierangebot und der Art des Eingriffs. Welche Arten in Betracht kommen, lässt sich aus Landschaftsausstattung, Gehölz- und Gebäudebestand, Gewässernähe und vorhandenen Katasterdaten ableiten, bevor die erste Erfassung stattfindet.

Fachlicher Hintergrund

Mein Schwerpunkt liegt seit Jahren auf Fledermäusen in Norddeutschland, mit laufenden Erfassungen in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Dazu kommen die Auswertung und Validierung von Rufaufnahmen sowie die Lehrtätigkeit: Ich leite Fledermauskurse an der Naturschutzakademie Hamburg und arbeite am Aufbau eines BANU-Zertifikatskurses für Hamburg.

Für die Praxis bedeutet das zweierlei. Die Artenspektren und Lebensräume Norddeutschlands kenne ich sehr gut. Und ich werte die Aufnahmen selbst aus, statt die Analyse abzugeben. Wer die Rufe kennt, erkennt auch, wo eine automatische Bestimmung nicht trägt.

Methodik

Erfassungsmethoden

Quartierpotenzialanalyse

Strukturbezogene Bewertung von Gebäuden und Gehölzen. Am Gebäude sind das Spalten an Traufe, Ortgang und Fassade, hinterlüftete Verkleidungen, Rollladenkästen, Zwischendächer und Dachböden. An Bäumen Spechthöhlen, Fäulnishöhlen, Stammrisse und abstehende Rinde. Ergänzt um die Einordnung in die Umgebung, also Leitstrukturen, Gewässer und Gehölzbestände im Umfeld.

Ergebnis ist eine begründete Einschätzung, welche Artengruppen in Betracht kommen und welche vertiefenden Erfassungen daraus folgen. Besteht kein relevantes Potenzial, lässt sich das an dieser Stelle belegen.

Quartierkontrolle am Gebäude

Begehung von Dachraum, Fassade, Traufbereich und Rollladenkästen. Spalten werden mit dem Endoskop eingesehen, Kotspuren, Fraßreste und Verfärbungen dokumentiert. Die Ausflugsbeobachtung in der Dämmerung, bei Bedarf mit Nachtsichttechnik, zeigt, ob ein Quartier besetzt ist, in welcher Größenordnung und welcher Quartiertyp vorliegt.

Baumhöhlenkontrolle für Fällgenehmigungen

Kontrolle auf Höhlen, Spalten, Rindenabplatzungen und Stammrisse, auffällige Strukturen werden endoskopisch eingesehen. Bei fortbestehendem Quartierverdacht folgt eine Ausflugskontrolle. Die Kontrolle ist ganzjährig durchführbar, im laubfreien Zustand jedoch deutlich aussagekräftiger.

Für Höhlen und Spalten, die vom Boden aus nicht sicher einsehbar sind, arbeite ich mit einem Baumkletterer zusammen, der die Strukturen im Kronenbereich direkt kontrolliert.

Grundlage für Fällgenehmigungen, in Hamburg zusätzlich im Rahmen der Baumschutzverordnung. Die Dokumentation ist auf den behördlichen Nachweis ausgelegt.

Akustische Erfassung

Bei der aktiven Erfassung geht es darum, das Artenspektrum zu erfassen und zu verstehen, wie sich Fledermäuse im Raum bewegen und welche Bereiche sie nutzen. Dafür wird das Untersuchungsgebiet durchkämmt, nicht nur auf wenigen festen Routen abgegangen. Ich setze dabei auf modernste Erfassungstechnik.

Stationäre Aufzeichnungsgeräte ergänzen die Untersuchung an geeigneten Stellen. Sie erfassen über ganze Nächte und über mehrere Aktivitätsperioden hinweg und verdichten so das Bild des Untersuchungsgebiets. In Schleswig-Holstein werden passive Aufzeichnungsgeräte zusätzlich für Schwellenwertüberprüfungen eingesetzt, womit sich die Bedeutung einzelner Strukturen zusätzlich absichern lässt.

Über die Qualität stationärer Erfassung entscheidet weniger das Gerät als seine Positionierung, und hier ist besondere Sorgfalt geboten. Standort, Mikrofonhöhe und Ausrichtung, Abstand zu Vegetation und Reflexionsflächen sowie die Geräteeinstellungen bestimmen, was überhaupt aufgezeichnet wird. Ein ungünstig platziertes Gerät liefert Daten, die plausibel aussehen und das Gebiet dennoch falsch abbilden. Die Standortwahl setzt deshalb voraus, dass Leitstrukturen und Jagdhabitate vorher verstanden wurden.

Rufanalyse

Die Auswertung erfolgt softwaregestützt und wird manuell nachgeprüft. Automatische Bestimmungen sind Vorschläge, keine Ergebnisse. Einzelne Rufe ohne Einbettung in eine Rufsequenz lassen keine belastbare Zuordnung zu, und nicht jede Aufnahme erlaubt eine Bestimmung auf Artniveau. Wo nur eine Zuordnung auf Gattungsniveau fachlich vertretbar ist, wird das im Bericht ausgewiesen.

Die räumliche Auswertung und Darstellung von Flugrouten, Jagdhabitaten und Aktivitätsschwerpunkten erfolgt in QGIS.

Maßnahmenkonzepte

Ist ein Quartier betroffen, umfasst das Konzept die zeitliche Steuerung des Eingriffs, den Quartierersatz und, wo möglich, die Optimierung vorhandener Strukturen. Maßgeblich sind Quartiertyp und Art, nicht die Anzahl der Kästen: Ein Spaltenquartier der Zwergfledermaus verlangt eine andere Bauart und Exposition als ein Dachbodenquartier des Braunen Langohrs.

Auf Wunsch übernehme ich die Abstimmung mit der zuständigen Naturschutzbehörde sowie die spätere Funktionskontrolle der umgesetzten Maßnahmen.

Zeitliche Einordnung

Das Fledermausjahr

Fledermäuse wechseln im Jahresverlauf zwischen Winterquartier und Sommerquartier, einzelne Arten zusätzlich in Paarungs- oder Balzquartiere. Welche Methode wann aussagekräftig ist, hängt davon ab, wo sich die Tiere aufhalten und wie nachweisbar sie dort sind. Ein Negativbefund außerhalb des passenden Zeitfensters belegt keine Quartierfreiheit.

Zeitfenster der Erfassungsmethoden im Jahresverlauf
Methode JFMAMJJASOND
Quartierpotenzialanalyse HauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraum
Quartierkontrolle am Gebäude nicht aussagekräftignicht aussagekräftigeingeschränkt aussagekräftigHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumeingeschränkt aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftig
Baumhöhlenkontrolle HauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumeingeschränkt aussagekräftigeingeschränkt aussagekräftigeingeschränkt aussagekräftigeingeschränkt aussagekräftigeingeschränkt aussagekräftigeingeschränkt aussagekräftigHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraum
Akustische Erfassung, mobil und stationär nicht aussagekräftignicht aussagekräftigeingeschränkt aussagekräftigHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumeingeschränkt aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftig
Schwärm- und Paarungsphase nicht aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftigHauptzeitraumHauptzeitraumeingeschränkt aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftig
Winterquartierkontrolle HauptzeitraumHauptzeitraumeingeschränkt aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftignicht aussagekräftigeingeschränkt aussagekräftigHauptzeitraum
Rufanalyse und Auswertung HauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraumHauptzeitraum

Hauptzeitraum eingeschränkt nicht aussagekräftig

Quartierpotenzialanalyse
Strukturelle Bewertung, ganzjährig möglich. An Gehölzen sind die Strukturen im laubfreien Zustand besser einsehbar.
Quartierkontrolle am Gebäude
Aussagekräftig, solange die Quartiere besetzt sind.
Baumhöhlenkontrolle
Ganzjährig durchführbar, im laubfreien Zustand jedoch deutlich aussagekräftiger, weil Höhlen, Spalten und Rindenabplatzungen einsehbar sind.
Akustische Erfassung, mobil und stationär
Von der Rückkehr aus den Winterquartieren bis zum Einwintern. Im Oktober nimmt die Aktivität witterungsabhängig deutlich ab.
Schwärm- und Paarungsphase
Betrifft die Arten unterschiedlich: Balzquartiere bilden etwa Großer Abendsegler und Rauhautfledermaus, Schwärmverhalten vor Winterquartieren zeigen zum Beispiel viele Arten der Gattung Myotis.
Winterquartierkontrolle
Sehr störungsempfindlich, deshalb gezielt und auf das Nötige beschränkt.
Rufanalyse und Auswertung
Folgt der Geländearbeit, mit Schwerpunkt im Winterhalbjahr.

Die Darstellung dient der Orientierung in der Planung. Die tatsächlichen Zeitfenster verschieben sich mit Witterung, Artenspektrum und Lage des Vorhabens.

Untersuchungsumfang

Ein fester Untersuchungsumfang, der auf jedes Vorhaben passt, existiert nicht. Ein Dachstuhl im Bestand verlangt etwas anderes als eine Gehölzreihe an einer Erschließungsstraße oder eine Freifläche im Außenbereich. Maßgeblich sind das Quartierpotenzial, das zu erwartende Artenspektrum und die Art des Eingriffs.

Der Umfang wird deshalb vorhabenbezogen festgelegt und auf Wunsch vorab mit der Naturschutzbehörde abgestimmt. Das vermeidet Erhebungen ohne Erkenntnisgewinn ebenso wie Lücken, die später zur Nachforderung führen.

Nicht mehr als nötig. Nicht weniger als erforderlich.

Ausrüstung

Eingesetzte Technik

Erfassung

  • Elekon Batlogger M2, mobil
  • Elekon Batlogger S2, stationär
  • Elekon Batscanner Stereo
  • Nachtsichttechnik
  • Endoskop für Spalten und Höhlen

Auswertung

  • Aktuelle Rufanalysesoftware
  • Manuelle Validierung der Rufsequenzen
  • QGIS für die räumliche Auswertung
  • Tablet-Felderfassung, GPS-gestützt

Ablauf

  1. Abstimmung. Vorhaben, Lage, Zeitrahmen und bereits vorliegende Unterlagen. Daraus ergibt sich der erste Zuschnitt.
  2. Potenzialanalyse. Auswertung von Luftbildern, Artkataster- und Schutzgebietsdaten, verbunden mit Gebietskenntnis und Begehung vor Ort. Daraus folgt die strukturelle Bewertung und eine begründete Aussage zum weiteren Untersuchungsbedarf.
  3. Erfassung. Die erforderlichen Methoden im passenden Zeitfenster, mit Zwischenstand statt Stille bis zum Bericht.
  4. Auswertung und Bericht. Artenliste mit Angabe der Bestimmungssicherheit, Karten, Bewertung und Herleitung.
  5. Maßnahmen. Falls erforderlich Maßnahmenkonzept, Behördenabstimmung und ökologische Baubegleitung.

Einsatzgebiet sind Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Regionale Schwerpunkte und zuständige Behörden →

Vorhaben in Niedersachsen: Fledermausgutachten Niedersachsen →

Für Bauherrschaft und Hausverwaltungen: Fledermäuse am Gebäude → Baumfällung und Artenschutz →

Alle Leistungen im Überblick →

Fragen zu einem konkreten Vorhaben?

Kontakt aufnehmen